11.06.2015

Sehr geehrter Herr Max Muster!

Die diesjährige Brutsaison beschert uns ein Wechselbad der Gefühle. Während es im Osten Österreichs sowie in den östlichen und südlichen Nachbarländern kaum Nachwuchs gibt, sorgen die weiter westlich gelegenen Habichtskauz-Lebensräume diesseits und jenseits der Grenze für Furore. Das Wildnisgebiet Dürrenstein und die Region in und rings um den Nationalpark Bayerischer Wald freuen sich jeweils über das erfolgreichste Nachwuchs-Jahr seit Beginn der Wiederansiedlung.
Besonders groß ist die Freude darüber, dass es erstmals in der Geschichte der österreichischen Habichtskauz Wiederansiedlung auch Bruten auf natürlichen Standorten gibt! Zwei Pärchen haben sich heuer dafür entschieden in den Baumhöhlen von Rotbuchen zu brüten.
Wir freuen uns schon heute auf den Tag, wenn die Nisthilfen überflüssig werden, weil es wieder genügend alte Baumöhlen gibt. Aber bis dahin wird noch ein Weilchen vergehen. Und bis dahin sind wir glücklich, dass uns jedes Jahr zahlreiche freiwillige Helfer dabei unterstützen, die mittlerweile fast 400 in Österreich montierten Nistkästen zu kontrollieren. Höchst an der Zeit ihnen ein herzliches Dankeschön auszusprechen! Ohne ihre Mithilfe, wäre das Projekt so nicht umsetzbar.
Und noch ein Hinweis für all jene, die kurzentschlossen sind. Am Samstag, dem 13. Juni ist das Habichtskauz Projekt beim „Tag der Artenvielfalt“ im Biosphärenpark Wienerwald vertreten. Vorbeischauen lohnt sich!

Eine aufschlussreiche Lektüre und einen schönen Sommer wünscht Ihnen

Ihr

Richard Zink
Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, VetmedUni Wien


Aktuelle Entwicklungen zum Habichtskauz-Wiederansiedlungsprojekt können auch über die Webseite des Projektes, unter der Rubrik News verfolgt werden.


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Breitenfurt, im Südwesten Wiens, ist umgeben vom Wienerwald und entsprechend auch von Habichtskauz-Revieren. Der ideale Platz also, um Infos aus erster Hand zu den großen Waldeulen zu erhalten. Und zwar am Samstag, dem 13. Juni beim „Tag der Artenvielfalt“.

Wir sind natürlich mit von der Partie, und zwar mit einem Infostand (beim Gemeindeamt, Hirschentanzstraße 3, 2384 Breitenfurt). Dort gibt es Auskünfte rund um die Habichtskauz Wiederansiedlung, aber auch zum neu gestarteten Projekt StadtWildTiere.
Was der Tag der Artenvielfalt sonst noch alles zu bieten hat, verrät das offizielle
Programm. Ein Besuch lohn sich in jedem Fall. Wir freuen uns auf Euch!




Knapp 400 montierte Nistkästen stehen den heimischen Habichtskäuzen mittlerweile zur Verfügung. Um die Entwicklung des wiederangesiedelten Eulenbestandes im Auge zu behalten, reicht es freilich nicht, einfach nur Nistkästen zu montieren. Diese müssen auch auf „Bewohner“ bzw. Brutpaare überprüft werden, und das nicht nur einmal, sondern immer wieder.
Ohne unser Netzwerk aus freiwilligen Helfern wäre dieses Unterfangen unmöglich. Deswegen möchten wir all jene, die sonst im Hintergrund agieren, einmal nach vorne bitten.
Ganz besonderer Dank gebührt dabei Mag. Jens Laass, der es schafft, mehr als 50 Nistkästen für uns im Auge zu behalten!

Und auch bei folgenden 46 Nistkasten-Helden bedanken wir uns ganz herzlich für die wertvolle Mitarbeit:
A. Schmied, A. Schlömmer & E. Reinprecht, A.Hager, I.Tarmann, C. Fuxjäger, C. Wende, C. Nagl, D. Kubat, G. Komarnicki, M. Fischer, E. Hosmann, E. Hackl, F. Sheikh, F. Schmeller, G. Mrkvicka, G. Heigl, G. Hafner , H. Wurzl, A. Zeiner, F. Steiner, H. Pfeifenberger, J. Winter, M. Peuschler, P. Tucek, T. Rupp , W. & R. Kautz, J. Dullnig, K. Kastl, A. Bund, H. Schaffer, C. Leditznig, P. Boogmann, K. Hammer , P. Grill, M. Schweizer, M. Steiner, M. Platschek, B. Wernisch, F. Sachser, P. Kumpfmüller, R. Duscher, S. Prinz, W. Pegler, I. Kohl, F. Aigner, K. Langer


Foto © Karl Satzer



Für die Wienerwald-Habichtskäuze fiel die Brutsaison heuer leider ins Wasser. Lediglich ein Nistkasten mit zwei Jungvögeln und einem Ei war besetzt. Bei der zweiten Kontrolle Ende Mai konnte überhaupt nur mehr ein Jungvogel beringt werden.
Der Grund für dieses schlechte Brutergebnis liegt am Nahrungsmangel. Vom Wienerwald über das Burgenland bis in die Südsteiermark blieben die Bucheckern im letzten Herbst aus. Keine Bucheckern bedeuten auch keine Mäuse und damit auch keine Nahrung für die Habichtskäuze und andere Eulen wie etwa die Waldkäuze.
Auch die Waldkäuze haben heuer zu kämpfen. Ihre Bruten starteten durchwegs später und im Schnitt gab es pro Brutpaar nur einen Jungvogel, was extrem wenig ist. Die Beobachtung des Brutverhaltens der Waldkäuze, die gerne die angebotenen Nistkästen nutzen, hilft uns den möglichen Bruterfolg oder –misserfolg der Habichtskäuze abzuschätzen. Läuft es bei den Waldkäuzen gut, gilt das auch für die Habichtskäuze. Leider bestätigt sich dieses Verhältnis auch im negativen Sinn.
Dass die Buchen hin und wieder kaum Früchte produzieren, ist allerdings völlig normal. Diese Schwankungen sind naturbedingt. Nur wirken sie sich dort besonders intensiv aus, wo der Wald – wie etwa im Wienerwald – stark buchendominiert ist.



Trotz des schlechten Brutergebnisses im Wienerwald, gibt es eine spannende und freudige Erkenntnis zugleich: Verantwortlich für die einzige heuer stattgefundene Brut im Biosphärenpark sind Johanna und Tom.

Wer das Habichtskauzprojekt seit erster Stunde verfolgt, wird sich vielleicht schon erinnern. Die beiden sind keine Unbekannten. Sie sind für die frühen Erfolge des Wiederansiedlungsprojektes verantwortlich: 2011 sorgten sie für den ersten Freilandnachwuchs des Projektes. Johanna und Tom sind somit das älteste und erfolgreichste Pärchen der Wiederansiedlung. Und sie sind die einzigen, die es unter den schwierigen Nahrungsbedingungen geschafft haben, ein Junges aufzuziehen. Erfahrung macht sich offenbar bezahlt.




Im Bild ist Johanna zu sehen. Das Foto wurde heuer vor Brutbeginn aufgenommen.
© Foto Jens Laass



Freud und Leid liegen oft nah beieinander. Während im Osten Nachwuchs-Flaute herrscht, hat man weiter im Westen Österreichs allen Grund zu feiern. Dort sieht es nämlich in puncto Nahrungsverfügbarkeit ungleich besser aus und das hat sich prompt auf das Brutergebnis des heurigen Jahres niedergeschlagen.

Das Wildnisgebiet Dürrenstein jubelt über das erfolgreichste Jahr seit dem Start der Wiederansiedlung. Es gibt 7 gesicherte Reviere mit 4 tatsächlich nachgewiesenen Bruten. 7 Jungvögel (von zwei Bruten) konnten bereits beringt werden. In zwei Wochen folgt die Beringung der zwei weiteren Bruten. Spätestens dann wird auch klar sein, wie viele Jungvögel insgesamt das Licht der Welt erblickt haben.

Feststeht aber jetzt schon, dass es sich bei zwei der vier Bruten zum ersten Mal in der Geschichte der österreichischen Habichtskauz-Wiederansiedlung um Bruten auf natürlichen Nistplätzen handelt! Die Baumhöhlen zweier Rotbuchen fungierten dafür als Schauplätze. Die darin brütenden Pärchen konnten nur mithilfe ihrer Satellitensender ausfindig gemacht werden. Der Technik sei dank, denn auf diese Weise konnten wir diesen Meilenstein im Rahmen des Wiederansiedlungsprojektes miterleben.
© Foto Christoph Leditznig



Brutausfälle im Osten und Süden, Bruteuphorie im Westen, so geht es auch den benachbarten Ländern. In der Ostslowakei, wo jedes Frühjahr im Schnitt 40 und mehr Habichtskauz-Paare brüten, waren es heuer nur 6 Paare. In Ungarn, an der Grenze zu Österreich, gelangen heuer – im Gegensatz zu den letzten Jahren – keine Habichtskauz-Nachweise. Und auch aus Norditalien gibt es mittelprächtige Neuigkeiten: Von 12 kontrollierten Nistkästen waren nur zwei mit Brutpaaren besetzt, ein Platz ist bereits wieder verwaist, am anderen läuft die Brut noch mit zwei Eiern.

Auf der anderen Seite der Alpen ist man dafür – ganz wie im Wildnisgebiet Dürrenstein – in Feierlaune. In Bayern, wo es schon seit einigen Jahren Bruten auf natürlichen Standorten gibt, wurden heuer alle Erwartungen gesprengt. In und rings um den Nationalpark Bayerischer Wald konnten 31 Habichtskauz-Reviere bestätigt werden und viele der Brutpärchen zogen gleich vier Jungvögel groß. Damit ist das Jahr 2015 das beste seit den 1970er Jahren, also seit dem Start der bayerischen Wiederansiedlungsbemühungen. Herzlichen Glückwunsch über die Grenze!



Foto © Michael Göggelmann




Insgesamt können wir bei den Nachzuchten ein positives Resümee ziehen. Ungefähr 40 Jungvögel sind heuer im Rahmen unseres europaweiten Zuchtnetzwerkes herangewachsen und einige von ihnen werden auch bald in die Projektgebiete freigelassen.
Allerdings gab es vom letzten auf dieses Jahr auch einige Verluste zu bedauern. Einer der prominentesten betrifft ein Weibchen, das ein für Habichtskäuze geradezu biblisches Alter erreicht hat. Die 1995 in Schönbrunn geborene Habichtskauz-Dame lebte eine Zeit lang im Tierfreigehege des Nationalparks Bayerischer Wald und übersiedelte später in den Alpenzoo Innsbruck, wo sie heuer im 21. Lebensjahr verstorben ist. Allein in den letzten 7 Jahren hat dieses Weibchen 23 Jungvögel großgezogen. Insofern ist der Verlust tragisch, aber er war auch absehbar. Generell wird es bereits als Erfolg angesehen, wenn ein Habichtskauz ein Alter von 10 Jahren erreicht.

Foto © Marc Graf




Die Nistkästen, die im Rahmen des Wiederansiedlungsprojektes installiert werden, sind natürlich nicht als Langzeitlösung gedacht. Sie sind gewissermaßen „Brutplätze auf Zeit“, die irgendwann einmal überflüssig werden sollen. Dann, wenn es wieder genügend natürliche Brutplätze in Form von geräumigen Baumhöhlen gibt.

Neben Baumhöhlen haben Habichtskäuze aber auch nichts gegen verlassene Horste anderer Vögel einzuwenden. Das beweist etwa ein estnischer Habichtskauz, der dabei gefilmt wurde, wie er ein Schwarzstorchnest näher in Augenschein nimmt.




Die ersten Jungkäuze sind bereits in ihre Freilassungsvolieren im Wildnisgebiet Dürrenstein übersiedelt. Die nächsten folgen in den kommenden Tagen. 7 Volieren stehen mittlerweile für die Eingewöhnungszeit im neuen Lebensraum zur Verfügung, 2 davon im Wildnisgebiet und 5 im Biosphärenpark Wienerwald.

In Summe dürften heuer zwischen 25 und 30 Jungkäuze in die Freiheit entlassen werden, allesamt ausgestattet mit einem violetten Ring, der sie eindeutig der 2015er Brutsaison zuordnet. Für einen knappen Monat bleiben die jungen Eulen in den Volieren, ehe sie ihr neues Leben in den österreichischen Wäldern starten.
Hoffentlich mit mehr Bruterfolg im nächsten Jahr. Wie viele Bucheckern im Herbst zu erwarten sind, ist momentan noch unklar. Die Nadelbäume, vor allem die Fichten, haben heuer eifrig Pollen verstreut, weswegen anzunehmen ist, dass sie auch reichlich Samen entwickeln werden.
Im Gegensatz zu den großen Bucheckern, die bereits im Herbst den Waldboden bedecken und die Mäusepopulationen anschwellen lassen, fallen die kleinen Fichtensamen aber erst im Frühjahr ab, was einen geringeren und verspäteten Anstieg des Mäusebestandes bedetuet. Es bleibt also abzuwarten, wie nahrungsergiebig das kommende Jahr im Wald wird. Wir drücken den Käuzen im Biosphärenpark Wienerwald und im Wildnisgebiet in jedem Fall die Daumen!

Foto © Marc Graf












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