15.09.2015

Sehr geehrter Herr Max Muster!

Im Frühjahr hält uns die Brutsaison auf Trab, im Sommer haben wir mit den Freilassungen alle Hände voll zu tun. Auch heuer wurden wieder eine ganze Reihe an Jungvögeln in die Freiheit entlassen. 36 weitere Habichtskäuze streifen seit diesem Sommer durch die Wälder des Biosphärenparks Wienerwald und des Wildnisgebiets Dürrenstein.
Viele von ihnen nutzen auch wieder eifrig die bei den Freilassungsplätzen bereitgestellten Futtertische. Das freut uns sehr, denn durch die Extrahappen steigt die Überlebenschance der Tiere deutlich.
Natürlich fiebern wir dem Tag entgegen, wenn aufgrund einer stabilen, sich selbst erhaltenden Population keine weiteren Freilassungen mehr nötig sind, bis dahin gibt es aber noch viel zu tun. Deswegen haben wir auch heuer wieder neue Zuchtvogel-Pärchen zusammengestellt, die in den kommenden Jahren für weiteren Nachwuchs sorgen sollen.

Wussten Sie, dass der Herbst die ideale Zeit ist, um Habichtskäuze zu beobachten? Warum das so ist, erfahren Sie gleich. Außerdem verraten wir Ihnen, wie Sie neben dem vierteljährlichen Newsletter noch über das Habichtskauz-Projekt auf dem Laufenden gehalten werden können und wo sich Sichtungen von Habichtskäuzen und anderen Wildtieren melden lassen.

Viel Vergnügen bei der Lektüre des diesmonatigen Newsletters wünscht Ihnen

Ihr

Richard Zink
Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, VetmedUni Wien



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Sommerzeit ist für das Habichtskauz-Projekt gleichbedeutend mit Freilassungszeit.
36 Jungvögel
, die heuer in unserem europaweiten Zuchtnetzwerk geschlüpft sind, haben wieder den Weg in die Freiheit gefunden. 21 von ihnen fliegen nun durch das Wildnisgebiet Dürrenstein und 15 haben ein neues Zuhause im Biosphärenpark Wienerwald gefunden.

Unter ihnen etwa der aus dem Cumberland Wildpark Grünau stammende Ares. Er wurde am 20. Juli im Wienerwald freigelassen. Roman, ein Männchen aus dem Tiergarten Schönbrunn, übersiedelte am 20. Juni ins Wildnisgebiet. Dort gewöhnte er sich in einer der beiden Freilassungsvolieren an seine neue Umgebung, ehe er ein Monat später im Bereich von Göstling freigelassen wurde.

Auf ganze 222 freigelassene Habichtskäuze können wir seit Projektbeginn bereits zurückblicken, davon 107 im Wildnisgebiet Dürrenstein und 115 im Biosphärenpark Wienerwald.




Um den Habichtskäuzen den Start in ein unabhängiges Leben zu erleichtern, stehen bei den Freilassungsvolieren Futtertische zur Verfügung. Die freigelassenen Jungvögel sind zwar bereits in der Lage sich selbst zu versorgen, dennoch suchen sie gelegentlich die Futtertische auf.

Heuer konnten wir immer wieder Jungvögel an den „Labestationen“ beobachten. Kleine Extramahlzeiten schaden nicht bzw. helfen sie auch über Zeiten mit bescheidenem Nahrungsangebot – wie im heurigen Sommer – hinweg und steigern die Überlebenswahrscheinlichkeit der jungen Käuze.

Aber nicht nur die Käuze schauen gerne bei den Futtertischen vorbei. Auch Rehe und Eichelhäher nutzen die Gelegenheit für einen kleinen Snack. Einige Male ließ sich ein Mäusebussard blicken und ein andermal hüpfte sogar ein seltener Weißrückenspecht (siehe Bild) vor die Kamera.




Momentan laufen die Vorbereitungen für die geplanten Neuverpaarungen auf Hochtouren. Sechs neue Habichtskauz-Pärchen, die für weiteren Nachwuchs sorgen sollen, werden momentan am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) zusammengeführt.
In der Regel funktionieren Verpaarungen bei Habichtskäuzen immer sehr gut. Sobald die Paare miteinander vertraut und die nötigen Exportpapiere fertig sind – zumindest für die Auslandsdestinationen – geht es auf die Reise nach Deutschland, in die Schweiz und innerhalb Österreichs in Richtung Alpenzoo Innsbruck und – unweit vom FIWI – in den Tiergarten Schönbrunn.




Damit die Naturschutzarbeit rund um die Wiederansiedlung des Habichtskauzes in den heimischen Wäldern so bekannt wie möglich wird und alle Interessierten stets am Laufenden bleiben, waren wir auch heuer wieder sehr umtriebig.

Unser Infostand fand sich etwa beim Wiener Tag der Artenvielfalt am 6. Juni genauso wie beim Tag der Artenvielfalt im Biosphärenpark Wienerwald am 13. Juni. Außerdem „gastierte“ er eben erst, am 5. und 6. September, bei den Artenschutztagen in Schönbrunn. Und im Hochsommer hieß es „Vorlesung halten“ für rund 100 Kinder, die am 17. Juli die Kinderuni Vetmed besuchten.
Wenn auch Sie mehr über die aktuellen Entwicklungen der Wiederansiedelung erfahren möchten, die nächste Gelegenheit bietet sich bei einem Vortrag an der Boku am 17.11.2015 um 16 Uhr. Ort: Alte WU, 1090 Wien, Augasse 2-6, 2.Obergeschoß, Seminarraum D2.9.15



Die intensive Freilassungssaison ist vorüber und bevor uns im zeitigen Frühjahr die Brutsaison wieder auf Trab hält, nutzen wir die Herbstmonate, um das Nistkasten-Netzwerk weiter auszubauen.
Im Moment konzentrieren sich unsere Bemühungen insbesondere auf den Raum Lilienfeld in Niederösterreich. Gespräche mit Grundbesitzern und die Auswahl geeigneter Standorte stehen am Programm. Rund zehn neue Nistkästen sollen an ausgewählten Plätzen montiert werden.




Seit die ersten kühleren Tage angebrochen sind, ist die Herbstbalz voll im Gange. Wer aufmerksam durch die Wälder streift, kann ihr womöglich lauschen. Die Habichtskäuze sind während der Balz nämlich sehr ruffreudig.

Für Habichtskauz-Sichtungen ist der Herbst also eine gute Zeit. Und da auch die Hirschbrunft beginnt, bitten wir insbesondere die Jäger ihre Augen und Ohren offen zu halten und uns allfällige Sichtungen zu melden.

Hier akustischen Stimmproben von: Habichtskauz und Waldkauz.



Mitten in der Großstadt breitet der Habichtskauz seine Schwingen freilich nicht aus, in den urbanen Randzonen hingegen schon. Warum das so ist? - Dort, wo der Wald an die ersten Siedlungen stößt, findet sich in der Regel besonders viel Nahrung. Und da auch geeignete Lebensräume auf Wiener Stadtgebiet verfügbar sind, wurden schon wiederholt Habichtskäuze in den urbanen Randgebieten, wie etwa dem Lainzer Tiergarten, freigelassen.

Die nahrungsreichen Randzonen, grünen Oasen und vielen Winkel der Stadt wissen aber auch andere Wildtiere zu nutzen. Seit heuer betreut das FIWI die online Plattform „StadtWildTiere“. Hier sammeln wir vor allem Säugetierbeobachtungen vom Eichhörnchen über den Igel bis hin zu Fuchs und Wildschwein. Bisher mit großem Erfolg: Innerhalb von nur drei Monaten langten knapp 1.000 Meldungen ein! Die Bevölkerung hilft hier entscheidend dabei mit, mehr über das Leben der Säugetiere in der Stadt herauszufinden. Denn sie sind meist wesentlich schwieriger zu beobachten als Vögel.
Habichtskäuze zählen dagegen nicht zu den alltäglichen Vogelsichtungen. Über jede Meldung – auch über die Stadtwildtiere Plattform – freuen wir uns deshalb ganz besonders. Im Herbst stehen die Chancen auf Habichtskauz-Sichtungen wegen der Balz und des einsetzenden Laubfalls besonders gut.




Wer über die Aktivitäten des Habichtskauz-Projektes immer topaktuell informiert sein möchte, kann uns neben Webseite und Newsletter auch via Facebook folgen und mit uns in Kontakt treten. Wir freuen uns über jeden Daumen nach oben!












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